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A: Vielleicht, wer weiß, unter Umständen werden wir wiedergeboren, ich als Maulwurf, Schildkröte oder Schnecke und Sie...?
Z: Als Vogel, als großer, mächtiger Vogel
A: Von mir aus! Als ein Vogel, der Lämmer und Kaninchen reißt und sich um Schnecken nicht groß kümmert, ja sie erst garnicht ausmacht, weil sie so langsam sind
Z: Sie schweifen immer wieder in Traumwelten ab, Sie stehen nicht auf dem Boden der Tatsachen
A: Sie etwa? Muß ich Sie erst erinnern...
Z (packt A mit Würgegriff am Hals): Und jetzt...
A (röchelt): Beeindruckt mich überhaupt nicht
Z (schüttelt A und knurrt)
A:
 Man wird Erklärungen verlangen: wer ist der Tote, wie und warum ist er ums Leben gekommen. – Vor allem werd ich mir Mühe geben rasch zu verwesen, dann werd ich Sie anstinken
Z (läßt ab von A): Jetzt haben Sie aber auch Angst gehabt
A (richtet seinen Hemdkragen): Mit Maßen
Z: Sie waren entsetzt
A: Nur ein wenig indigniert
Z: Sie haben den Tod gefürchtet!
A: So nein doch was soll ich denn einzuwenden haben gegen einen schwarzen, stummen Frieden oder gegen eine Wiedergeburt als Schnecke
Z: Ein ausgeprägter Eskapismus treibt Sie in die Winkel
A: Imposant angebracht! Haben Sie noch mehr so Wörter parat? Sobald ich weiß, wie er aussieht, der Dingsda, werde ich ihn beachten
Z: Eskapist ist, wer die Wirklichkeit flieht, wer den Anforderungen des Lebens auszuweichen versucht, wer vorzieht, in einer Scheinwelt zu bleiben. Wer sich geradezu manisch zu zerstreuen und vergnügen sucht, so einer ist ein Eskapist
A: Dann trifft das doch auf Sie zu
Z: Ich stehe doch wirklich mit beiden Beinen im Leben
A: Im Moment würd ich sagen...(Z macht Anstalten A wieder an die Gurgel zu gehen) ...schon gut, ich sprech es nicht aus. Die Idee mit dem Vogel vorhin war schließlich von Ihnen. Ich meine daher, daß Sie der Fliehende sind. Ihre Welt ist die Traumwelt und dem wahren Leben versuchen Sie davonzurasen oder es in Termine zu verpacken, bis es nimmer sichtbar ist
Z: Gar nichts verpacke ich. Mein Leben ist ein offenes. Sie aber verstecken, Sie verkriechen sich und wollen nichts wissen von draußen. Drum haben Sie keine Ahnung wies zugeht, was los ist, was sich tut in der Welt der Tüchtigen
A: Ihre Welt der Tüchtigen können Sie sich in den Arsch schieben
Z: Es stand zu erwarten, daß Ihnen früher oder später eine Aufforderung dieser Art entfährt. Signifikant, wie Ihre Gedanken immer in die selbe Richtung trotten, immer irgendwo hinein, wos eng und finster ist
A: Abwärts äußere ich mich, meine Gedanken trotten immer in eine Richtung...lauter so Sachen unterstellen Sie mir! Aber ein unverstandener Aussteiger wie ich ist Beleidigungen gewohnt
Z: Ein Einsteiger sind Sie...immer steigen Sie wo ein
A: Jeder meiner Einstiege ist harmloser und unverbindlicher als der Ihre. Der hat etwas Endgültiges, weil Sie sich in Abhängigkeit begeben. Ihr Leben wird verlaufen, wie das eines jeden Eingestiegenen und Dringebliebenen. Sie bleiben bemeßbar, besteuerbar, begreifbar und verfügbar. Ihre Identität tragen Sie in Form von Zettelchen, Heftchen und Kärtchen mit sich. Was so gängig Freiheit heißt, ist allgemein nichts weiter als die Gelegenheit, sich zu prostituieren. Wirklich frei ist nur einer, der bereit ist auszuweichen oder dem die Freiheit wurscht ist
Z: Mir ist die Freiheit kostbar, weil man sie sich verdienen muß.
A: Und sind Sie frei, solange Sie verdienen?
Z: Nachher werd ich frei sein
A: Merken Sie was: Sie schiebens auf! Sie wollen gar nicht frei sein
Z: Ich plane meine Freiheit auf lange Sicht
A: Es wird Ihnen immer etwas dazwischenkommen
Z: Sie sind kurzsichtig
A: Ob kurz- oder langsichtig, seien wir ehrlich, wer kennt schon seinen Allerwertesten. Manche Leute sehen ihn ihr Leben lang überhaupt nicht...darin liegt das Problem
Z: Wieder einer Ihrer ausgefallenen Einfälle!
A: Das war im Grunde philosophisch gemeint. Als Anstoß zur Betrachtung der Betrachtungsweisen
Z: Eine philosophische Betrachtung des Hinterns, also wissen Sie...
A: Ja, ich weiß! Der Mensch krebst munter im Weltall herum und ist noch nicht einmal in die Tiefen des Meeres vorgedrungen. Das ist es, was ich meine. Da fängt es an, das falsche Betrachten. Die wenigsten kennen Ihr Innenleben, wissen rein gar nichts über Gestalt und Funktion ihrer Milz. Oder wissen Sie, wozu Sie ihre Milz herumtragen? Wissen Sie nicht! Da kennen Sie sogar Ihren Hintern noch besser! Und mit Ihrem Haar wissen Sie überhaupt viel mehr anzufangen, nicht wahr? So oberflächlich sind Sie, merken Sie das
Z: Soll ich sie Ihnen zeigen, ihre Milz? Soll ich?
A: Sehen Sie, jetzt können Sie meinen Ausführungen nicht mehr folgen und flüchten sich in Aggression. Nicht einmal in Ruhe explizieren darf man bei Ihnen
Z: Auf Ihre Schwachsinnigkeiten bin ich nicht neugierig, die bringen mich nicht weiter. Von Ihrem Schmäh kann ich nicht läben, wie es landläufig so schön heißt
A: Ich auch nicht, aber darum gehts eigentlich nicht
Z: Ihnen geht es um überhaupt nichts
A: Sie gehören zu den Leuten, die sich immer bemühen, entscheidende Wendungen herbeizuführen, egal wohin, Hauptsache es wendet sich was. Ich bin nicht so einer, das sagt aber nicht, daß es mir um nichts geht. Mir gehts vielmehr um viel mehr als um nichts
Z: Ich bemerke nichts davon
A: Erkennen können Sies nicht. Dasselbe Phänomen wie mit Ihrem Hintern, nur daß Sie den nicht wegleugnen
Z: Das wär auch schlecht zu begründen
A: Sie sind also sicher, daß Sie einen haben
Z: Jeder hat einen
A: Nicht jeder, nein, nicht jeder
Z: Nun ja, Ausnahmen gibts
A: Was bringt Sie darauf, daß sie nicht auch so eine Ausnahme sind
Z: Die Art, wie meine Umwelt mit mir umgeht. Sie behandeln mich wie ihresgleichen, wie einen, der einen hat
A: Das besagt nichts. Daß man Mundgeruch hat, zum Beispiel, erfährt man möglicherweise nie
Z: Außerdem spür ich ihn!
A: Ich kann Ihnen auch genau sagen, wann er Ihnen das erste Mal richtig bewußt geworden ist, nämlich wie Ihnen jemand draufgeklopft oder hineingetreten hat. Und seitdem glauben Sie an ihn
Z: Was soll das jetzt wieder
A: Nichts weiter. Es bleibt dabei: Sie können sich drehen und wenden, wie sie wollen, Ihren Hintern werden Sie nicht zu Gesicht bekommen. Er ist zwar da, er ist auch sichtbar, aber nicht für Sie, denn er bewegt sich, wiewohl immer in Ihrer Nähe, ständig außerhalb ihres Gesichtsfeldes
Z: Es gäbe sehr wohl Möglichkeiten, ihn zu sehen, wenn mir daran läge
A: Unter Zuhilfenahme eines Spiegels eventuell, dann jedoch werden sie erkennen, daß ihr Rückgrat im Arsch endet
Z: Ich sehe weiter keine Veranlassung, mich auf derart niedrigem geistigen Niveau zu unterhalten
A: Da haben wirs wieder. Das eine sieht er, das andere nicht. Da redet man, da führt man aus, da verwendet man greifbare Beispiele, wählt treffliche Allegorien und bleibt trotzdem unverstanden und unterschätzt. Mein Herr, deutlicher kann ich es doch wirklich nicht machen...
Z: Was, um Himmels Willen, können Sie nicht deutlicher machen. Und kommen Sie mir jetzt nicht wieder mit Ihrem Hintern daher
A: Ich meinte immer Ihren...
Z: Weichen Sie nicht aus! Was ist der Inhalt Ihres Geredes, was der Kern Ihrer Aussage!
A: Wenn Sie nicht begreifen wollen...
Z: Sie wissen es selber nicht, so ist es nämlich
A: Einem Menschen wie Ihnen kann man schwer etwas erklären
Z: Einer, der nicht erklären kann, ist genauso blöd wie einer, der nicht begreift
A: Sie haben eine so gänzlich andere Sicht der Dinge und Sie werden so schnell wütend, wenn man Ihnen drastisch darlegt, worum es geht
Z: Ich werde ruhig bleiben und Sie werden mir ohne Ausflüchte und seltsame Vergleiche sagen, worum es geht...also!
A: Wenn ich meine Sprache nicht sprechen darf, sag ich überhaupt nichts mehr
Z: Heraus mit irgendeiner Sprache, die ein gebildeter Mensch versteht!
A: Um ehrlich zu sein...ich hab den Faden verloren
Z: Sie sind tatsächlich imstande und verlieren auf engsten Raume etwas
A: Wir sollten die Unterhaltung wirklich beenden. Sie brauchen ja das Gespräch, ich hingegen vermag mich leicht in Schweigen zu hüllen und Ihnen beim Schwitzen zuzusehen
Z: Ein Knieweichling sind Sie! Ein Knieweichling ist, wer sich drückt. Wer sich vor dem Leben drückt, ist ein Knieweichling, wer nicht Optimismus zeigt, ist ein Knieweichling, wer sich vor dem allgemeinen Glück drückt, ist ein Knieweichling, und wer ein offenes Wort scheut, ist dreimal ein Knieweichling
A: Geschickt, wie Sie nach unten zu steigern verstehen
Z: Verdrehen Sie da nichts!
A: Es war Ihre Idee, Schluß zu machen mit der Unterhaltung
Z: Ich sprach vom Niveau! Unter einem gewissem Niveau wollte ich nicht weiterparlieren
A: Und wenn ich Ihnen sage, daß wir uns bloß Ihrer Ansicht nach zwischen den Stockwerken befinden, werden Sie gewiß wieder ärgerlich
Z: Genau! Geben Sie auf Ihren Hals Acht!
A (hält die Arme schützend vor den Hals): Und das Niveau des Liftes sowie das meinige wollen Sie schlichtweg nicht akzeptieren, weil Sie ein Ouppi sind
Z (wieder rabiat): Wer oder was ist bei Ihnen ein Oppi
A: Jemand, der für einen Yuppi schon zu alt ist
Z: Ich werd Ihnen gleich einen Oppi geben, dann sehen Sie alt aus...
A: Ist das das Niveau, von dem Sie vorhin sprachen?
Z: Schon gut. Es ist wahrlich etwas Seltsames um das Wesen der Reizworte: einige findet man ganz reizend, die anderen wiederum reizen einen. Wechseln wir also das Thema
A: Wetter?
Z: Fangen Sie schon wieder an...
A: Das war jetzt doch ganz harmlos
Z: Ich kenne Ihre Bosheiten inzwischen. Indem Sie auf das Thema Wetter zu sprechen kommen, spielen Sie gleichzeitig darauf an, daß es mir im Augenblick unmöglich ist, nach dem Wetter zu sehen und führen mir auf diese Weise wieder schmerzhaft meine peinliche Lage vor Augen
A: Schau, schau, daran hab ich nicht gedacht
Z: Ja, Sie können es sich leisten, gedankenlos zu sein. Ich hingegen muß dauernd an die Zeit denken, die mir verloren geht
A: Wenigstens behaupten Sie nicht, jemand würd sie Ihnen stehlen, was nämlich unmöglich ist, denn das Universum ist voll von Zeit und die ist für alle da, man braucht sie sich nur zu nehmen. Auch verlieren kann man sie nicht, die Zeit, weil man nicht verlieren kann, was man nicht hat, und in Wahrheit haben Sie keine Zeit
Z: Meine ich ja ganze Zeit, ich hab wirklich keine, ich müßte schon wieder ganz woanders sein
A: Da ist sie wieder, diese Neigung zur Flucht. Man kann sich leicht verlaufen, wenn man immer läuft
Z: Wenn ich noch ein paar Termine versäume, muß ich wieder von vorne anfangen
A: Ach ja, das ist auch so ein alter Traum, noch einmal von vorne anfangen, das möchte man und muß im Zuge dessen erkennen, daß man gar nicht mehr weiß, wo vorne ist. Die Überschaubarkeit geht zusehends verloren, finden Sie nicht?
Z (zu sich): Ich bin ehrlich neugierig, welche Unannehmlichkeiten der Tag noch mit sich bringt, aber wenn ich bleiben muß, erfahr ich es nicht
A: He, Sie da auf der anderen Seite des Liftes, hören Sie mich
Z: Lassen Sie den Unsinn, Sie wissen doch, daß ich nicht erinnert werden will...
A: Sie erinnern sich permanent selber, ein Außenstehender kann höchstens den Anstoß zur Erinnerung geben
Z: Sie mit Ihren Spitzfindigkeiten
A: Sind mir lieber als Stumpfsinnigkeiten
Z: Und jetzt frag ich Sie: haben Sie wenigstens ein Ideal?
A: Natürlich, nur trag ich es nicht immer mit mir herum
Z: Und wenn ich Ihnen auf den Kopf zu sage, daß Sie keines haben?
A: Das wagen Sie so schlichtweg zu behaupten?
Z: Ich kenne Leute Ihres Schlages. Die haben kein Ideal
A: Man muß sich in die Menschen hineinversetzen, um sowas herauszufinden, und das vermögen Sie nicht
Z: Auf den Bauch zu sage ich Ihnen, daß Sie keines haben
A: Nun, vielleicht ists kein Ideal im üblichen Sinne...
Z: Ha, jetzt kommt es ganz von selber heraus.
A: Aber ich habe mir schon oft vorgestellt, wie es wäre, eines zu haben und wie es aussehen müßte
Z: Man muß nur richtig nachbohren, dann kommt es schon heraus
A: Sie haben lediglich abgewartet
Z: Auf meine Verachtung können Sie zählen, Mensch ohne Ideal
A: Die Verachtung verdünkelt schon länger Ihr Denken. Macht mir aber nichts aus, solche wie Sie habe ich haufenweise in die Tasche gesteckt, als mir noch daran lag
Z: Das könnte Ihnen so passen, mich in eine Tasche stecken
A: Einer, der zu würgen versteht, ist nicht unbedingt ein Starker
Z: Stark bin ich, weil ich keine Skrupel habe
A: Ich wiederum habe Ausdauer
Z: Nichts als Einbildung
A: Ich muß nicht hören, geschweige denn reden. Wo bleiben Sie dann, wenn ich nichts erhöre und nichts erwähne? Allein bleiben Sie dann, allein mit Ihrem Mangel an Skrupeln. Eine schreckliche Leere wird Sie umfangen und klamme Furcht sich Ihrer bemächtigen. Aufgepaßt! Gleich werd ich schweigen und hör schon nur mehr halb hin
Z: Wenn Sie glauben, ich brauche Ihr Gewäsch...Denken Sie nur nicht, daß ich keine Stille ertrage. Überdies kann ich ganz gut alleine reden, einen Monolog halten, der sich endlich deutlich von jedem Dialog mit Ihnen abhebt, vom Niveau her, verstehen Sie? Es war mir schon ganze Zeit ein Bedürfnis, daß Sie endlich den Mund halten. Außerdem wär es mir ein Leichtes, mich Ihnen gegenüber in einer Weise zu äußern, die Sie nicht unwidersprochen lassen könnten. Ich könnte Sie mit subtiler Rhetorik aus der Reserve locken. Da brauchen Sie gar nicht so zu tun, als hörten Sie nichts, Sie entkommen meinen Worten nicht. Wenn es sein muß, kann ich auch brüllen, wie Sie wissen, und das ist Ihnen unerträglich, wie ich weiß. Dann versuchen Sie einmal, sich taub zu stellen, wenn ich schreie
A (dreht sich gleichültig zur Wand)
Z:
 Trotzdem bin ich da, direkt hinter Ihnen und recht geräuschvoll gegenwärtig, wie Sie zugeben müssen. Endlich sagen Sie nichts mehr, endlich geben Sie Ruh, eine wahre Erleichterung ist das. Und Ihr nichtssagendes Gesicht muß ich auch nicht mehr anschauen. Sie machen mir wirklich einen Gefallen nach dem anderen, wie komm ich zu der Ehre? Oder sind Sie endlich zur Vernunft gekommen? Das hätte ich nicht für möglich gehalten, daß einer wie Sie überhaupt an Vernunft denken kann. Ich fürchte beinahe, daß das nicht so bleiben wird.
(Zs Tonfall schwillt nach und nach)
Hören Sie mich? Sie hören mich doch! Sie brauchen sich nicht zu verstellen, ich weiß Bescheid um das Wesen der Schallwellen
A (deutet mit dem Finger nach unten)
Z:
 Furcht und Skrupel kenn ich nicht, schließlich bin ich ein erwachsener Mensch. Sie sind zu leicht naszuführen. Wahrscheinlich glauben Sie immer noch, so eine kleine Kabine kann einen Mann wie mich in Angst versetzen. Das anzunehmen war ganz schön naiv von Ihnen. Einem wie Ihnen kann es schon passieren, daß er sich so irrt. Ich hingegen habe mich in Ihnen nicht geirrt, Sie sind schon so, ein Versager, der nichts sagt, ein Nichtsnutz, der sich mitsamt seiner Schande verkriechen muß. Aber mir sind Sie nicht entgangen, ich habe Sie entdeckt, hab Sie aufgestöbert in Ihrem Versteck, habe Sie erkannt und durchschaut. Sie wissen jetzt, daß Sie mir nichts vormachen können mit Ihrem Schweigen. In den Händen juckt es Sie bereits zu reden, und bald werden Sie sich ein Wort nicht verkneifen können, werden vielleicht Scheiße sagen oder anderen Unflat, der Ihrem Niveau entspricht. Und wissen Sie, was ich dann tun werde, zur Wand werd ich mich drehen, Sie nicht mehr anschauen und nichts sagen. Was sagen Sie dazu? Das wird Ihnen dann nicht gefallen, soviel ist mir bereits klar, aber wenn ich einmal einen Entschluß gefaßt habe, bin ich nicht mehr abzubringen davon, egal ob ich nun in Gefahr bin oder nicht. Da werden Sie mich nicht herumkriegen, wenn ich einmal mit dem Gesicht zur Wand stehe. Zum Spiegel werd ich mich stellen und mir aufmunternd zublinzeln. Damit haben Sie nicht gerechnet. Sie hätten sich selber vor den Spiegel stellen können, darauf sind Sie aber nicht gekommen vor lauter Trotz, jetzt ist der Spiegel schon für mich reserviert, zu spät für Sie. Ja, so sind wir Tüchtigen, wir verstehen es, zu improvisieren, und wir verstehen es, zuvorzukommen, weil wir geistig beweglicher sind. Ich bin schon in ganz anderen Situationen fertig geworden
A (schüttelt sich in stillem Lachen)
Z:
 Was tun Sie da! Sie tun, als ob keiner mehr da wäre außer mir. Wir sind zu zweit im Aufzug, hören Sie! Ich bin auch noch da!
A (macht eine wegwerfende Handbewegung)
Z:
 Von mir aus können Sie weiter stehen bleiben wie ein verblödeter Götze. Sie kümmern mich nicht und ich kümmere mich nicht um Sie! Solang Sie atmen, werde ich Sie nicht bemerken, weil Sie Luft sind für mich! Hören Sie? Das hören Sie nicht gerne, was! Es ist wirklich völlig unnütz, mir eine Leere vorgaukeln zu wollen, wo keine ist. Sowas können Sie mit anderen machen, mit ihresgleichen, aber nicht mit meinereinem. Nun dauerts nicht mehr lange und ich steh beim Spiegel. Meine Stimme wird Ihnen fehlen, wogegen mir Ihre verdrehten Reden nicht abgehen.
(Beäugt sich mit skeptischem Seitenblick im Spiegel, ruckt den Kopf plötzlich wieder in Richtung A)
Was sagen Sie? Sie haben doch soeben gesprochen, ein Wort war es, oder auch zwei, es klang wie ein Gruß oder wie ein Fluch, beinahe unüberhörbar. Sie wollens nicht zugeben, nicht wahr, daß Sie gerade gesprochen haben. Ich will gar nichts hören, hören Sie? Und jetzt auf zum Spiegel
(Dreht sich spiegelwärts)
Werden uns doch nicht von einem wie dem anquatschen lassen, nicht wahr? Man sieht sich! Fesch sind wir heute wieder und in Topform. Der Direktor wird uns für morgen einen neuen Termin geben, dann ist nichts verloren. Noch sind die Kohlen nicht verloren! Das war jetzt ein Bonmot, oder wollen wirs lieber ein Apercu nennen? Ein beweglicher Geist in einem bewegten Körper das sind wir. Der Erfolg und seine papierenen Früchte harren unser. Ein paar Minuten noch und schon gehts wieder dahin mit unserer Unaufhaltsamkeit, hinweg über alle Zauderer, die nichts wissen vom Zauber des Verdienens. Langeweile gibt es nicht für uns, darum werden wir nie zu kurz kommen. Es gibt immer etwas zu tun, wir haben stets unsere Aufgabe und unser Streben. Ein erhabenes Ziel vor Augen, das haben wir. Der da daneben müßte es auch sehen, unser Ziel, aber er wendet sich ab, er gibt nicht zu...
A (wendet sich wieder der Mitte des Liftes zu und meint düster): Diesmal bleibt er für immer stecken
Z (dreht sich ebenfalls, überlegt eine Weile):
Dann sollten wir uns bekanntmachen
(Vorhang oder so)

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